Dr. Frank Golletz
Technischer Geschäftsführer (CTO) bei 50Hertz

Netz der Zukunft

mitgestalten

INNOVATIONEN FÜR DIE ENERGIEWENDE

Eine erfolgreiche Umsetzung der Energiewende macht die Entwicklung neuer Technologien notwendig. 50Hertz entwickelt Netzelemente wie Transformatoren, Leistungsschalter und Freileitungsmaste stetig technisch weiter, um sie an neue Anforderungen anzupassen. Gemeinsam mit der Technischen Universität Ilmenau untersucht der Übertragungsnetzbetreiber seit 2015 das Zusammenspiel von Gleichstrom- und Drehstromleitungen auf einem gemeinsamen Hybridmast, um eine zusätzliche Option für den Ausbau der Hochspannungs-Gleichstromverbindungen zu ermöglichen. Um die komplexen Wechselwirkungen des großen Drehstromnetzes mit einer steigenden Anzahl angeschlossener Windparks auch in kritischen Situationen sicher beherrschen zu können, werden neue Betriebsmittel wie beispielsweise Static Synchronous Compensators (STATCOMs), Anlagen die durch Schaltungselektronik im Störungsfall sehr kurzfristig die Spannungsniveaus stabilisieren können, notwendig. 50Hertz plant im Jahr 2017 im Umspannwerk Lubmin einen STATCOM zu errichten.

MEILENSTEIN BEIM BAU DES 3. ABSCHNITTS DER SÜDWESTKUPPELLEITUNG

Noch vor Einbruch des Winters 2015 konnte 50Hertz den ersten Stromkreis des dritten Abschnitts der Südwestkuppelleitung in den Testbetrieb nehmen. Alle beteiligten Firmen arbeiteten unter Hochdruck, um die schnelle Fertigstellung des Leitungsabschnitts zu ermöglichen. Die ursprünglich für 2016 geplante Teilinbetriebnahme verbessert nun schon seit der Winterzeit den Stromtransport zwischen Nord- und Süddeutschland und trägt nach Abschaltung des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld zur Netzstabilität im Norden Bayerns bei. Sie soll auch den Anstieg der Kosten für das Netzengpassmanagement reduzieren und die Netzkunden somit entlasten.

UMSPANNWERKE: FIT FÜR DIE ZUKUNFT

Auch im Jahr 2015 hat 50Hertz an den eigenen Umspannwerken wieder zahlreiche Instandhaltungsmaßnahmen vorgenommen. Die Umspannwerke in Marke, Wustermark und Siedenbrünzow wurden durch die Inbetriebnahme neuer Trafos ertüchtigt und so für die Aufnahme immer größerer Mengen regenerativer Energie fit gemacht. In Vierraden und Röhrsdorf wird die Integration von Querreglern, sogenannten Phasenschiebertransformatoren (PST), vorbereitet. In Heinersdorf und Gransee rollen seit diesem Jahr die Bagger: Hier errichtet Elia Grid International (EGI), eine Unternehmenstochter von 50Hertz und Elia, im Auftrag von 50Hertz jeweils ein neues Umspannwerk.

OFFSHORE AUF KURS

50Hertz verfolgt eine Reihe anspruchsvoller Projekte in der deutschen Ostsee, um den dort erzeugten Strom von Offshore-Windparks über Seekabel an Land zu bringen. Der erste kommerzielle Offshore-Windpark Deutschlands, EnBW Baltic 1, ging im Mai 2011 in der Ostsee mit 48 Megawatt ans Netz. Im Jahr 2015 folgte mit dem Netzanschluss von EnBW Baltic 2 ein weiterer deutscher Offshore-Windpark. Die 80 Windturbinen stehen 32 Kilometer nördlich der Ostseeinsel Rügen und haben eine Leistungsfähigkeit von 288 Megawatt. Im April nahm 50Hertz den Probebetrieb des ersten der beiden 150-Kilovolt-Seekabel auf. Seit September speist der Windpark vollumfänglich Strom ins deutsche Stromnetz ein.

POTENZIAL AUF SEE

Vor der deutschen Ostseeküste wird das Offshore-Windkapitel weiter geschrieben. Parallel zur Anbindung des Offshore-Windparks Baltic 2 hat auch das dritte Ostsee-Projekt von 50Hertz, der Bau der Kabeltrasse „Ostwind 1“, im Jahr 2015 Fahrt aufgenommen. Gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering, beging 50Hertz im August den Baustart des rund 90 Kilometer langen Netzanschlusses. Ostwind 1 ist Teil der Netzanbindung des Clusters Westlich Adlergrund. Dieser umfasst die Errichtung der Netzanschlüsse der Windparks Wikinger und Arkona-Becken Südost.

NATUR- UND UMWELTSCHUTZ IN DER PRAXIS

2015 entschied 50Hertz sowohl im Rahmen neuer Projekte als auch im Falle von Bestandstrassen Waldschneisen ökologisch zu entwickeln. Die Schneise unter einer Freileitung wird so gestaltet, dass dort wieder natürliche Lebensräume entstehen. Der sichere Betrieb muss dabei zu jedem Zeitpunkt gewährleistet sein.