FÜNF FRAGEN AN DEN CEO

Boris Schucht

Boris Schucht

Warum ist das Thema „Verantwortung“ für 50Hertz auch im diesjährigen Geschäftsbericht wieder von großer Bedeutung?

Boris Schucht: Verantwortung zu übernehmen, ist eine Entscheidung, die in ihrem Charakter auf Langfristigkeit angelegt ist. Sich verändernde Rahmenbedingungen und Herausforderungen sind zentrale Wesenszüge der Energiewende. Unser Geschäft verändert sich dadurch täglich. Gerade deshalb ist es uns wichtig, zu jedem Zeitpunkt Verantwortung für unser Handeln zu übernehmen und eine Konstante in dieser Dynamik zu sein. Wir verstehen uns als Dienstleister der Gesellschaft und übernehmen Verantwortung für die Umsetzung der Energiewende. Das bedeutet zum einen, neue Netzausbauprojekte zügig zu planen und umzusetzen und jedes Projekt kritisch auf die Notwendigkeit zu hinterfragen. Es geht nicht um „Netzausbau um jeden Preis“. Netzausbau bedeutet auch immer einen Eingriff in die Natur und das Lebensumfeld der Menschen. Das können wir nicht verhindern. Es liegt in unserer Verantwortung, diesen Eingriff so gering wie möglich zu halten und auch nur wirklich das zu bauen, was langfristig benötigt wird. Dort, wo er nötig ist, gehen wir behutsam und unter Einbezug aller Interessengruppen vor. Wir haben im Jahr 2015 auch beschlossen, dass Waldschneisen ökologisch entwickelt werden, nicht nur bei neuen Projekten, sondern auch unter unseren Bestandsleitungen. Verantwortung bedeutet für uns aber auch, erneuerbare Energien sicher in die Systemführung und in den Strommarkt zu integrieren. Besonders stolz bin ich, dass im letzten Jahr im 50Hertz-Netzgebiet der rechnerische Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch bei über 49 Prozent lag. Das ist ein Spitzenwert.

Als Dienstleister an der Gesellschaft sind Verlässlichkeit, Vertrauen, Engagement und Leistung die Basis der 50Hertz-Unternehmenskultur und damit Grundlage für den verantwortungsvollen Umgang des Unternehmens mit dem gesellschaftlichen Auftrag.

Was hat 50Hertz im Jahr 2015 konkret getan, um den anspruchsvollen Anforderungen der Energiewende gerecht zu werden?

Boris Schucht: Im Jahr 2015 erfolgte die höchste Aufnahme von Finanzmitteln in der Unternehmensgeschichte. Wir konnten dabei unsere gesunde Finanzierungsstruktur effizient weiterentwickeln. Damit ist es uns möglich, die aktuellen Netzausbauprojekte umzusetzen und eine solide Basis für die Zukunft zu legen. Besondere Herausforderungen des Jahres lagen aber auch in der Systemführung. Die EEG-Einspeisung erreichte erneut ein Rekordniveau. Schon heute arbeiten wir aktiv an der Systemführung von morgen, um die Grenzen der Integration Erneuerbarer weiter zu verschieben. Dies gelingt uns nur durch den unermüdlichen Einsatz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Entwicklung neuer Werkzeuge und Prozesse.

50Hertz war in den vergangenen Monaten an Land und auf See aktiv. Welches Resümee ziehen Sie?

Boris Schucht: Wir haben in vielen Projekten wichtige Meilensteine erreicht. Das betrifft den Netzausbau an Land gleichermaßen wie den auf See. Darauf können wir stolz sein. Die Inbetriebnahme des Ostseewindparks Baltic 2 und der damit verbundene Netzanschluss waren ein wichtiger Schritt für die effiziente und nachhaltige Offshore-Entwicklung in der Ostsee. Der ebenfalls 2015 erfolgte Baubeginn von Ostwind 1, der Netzanschluss der Ostseewindparks Wikinger und Arkona-Becken Südost, ist dafür wegweisend. Für die internationalen Offshore-Projekte „Combined Grid Solution“ und „Hansa Power Bridge“ mit dänischen bzw. schwedischen Partnern wurden im Jahr 2015 ebenfalls entscheidende Weichen für die Umsetzung gestellt. An Land ist es uns gelungen, noch vor Wintereinbruch den Testbetrieb des ersten Stromkreises im dritten Abschnitt der Südwestkuppelleitung erfolgreich aufzunehmen. Ursprünglich war das für 2016 geplant. Besonders für die kritische Winterzeit war diese Teilinbetriebnahme von großer Wichtigkeit, denn sie verbessert den Stromtransport zwischen Nordund Süddeutschland maßgeblich. Sehr zufrieden bin ich auch mit der erfolgreichen Durchführung zahlreicher Instandhaltungsmaßnahmen an unseren Umspannwerken.

Was wird Ihnen aus dem Jahr 2015 besonders in Erinnerung bleiben.

Boris Schucht: Unser Investitionsvolumen ist im Jahr 2015 auf einem Allzeithoch angelangt und das Investitionsprogramm hat Fahrt aufgenommen. Die Umsetzung dieses ehrgeizigen Programms ist nur durch den unermüdlichen Einsatz und das große Engagement aller 50Hertz-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter möglich. Im letzten Jahr hatten wir einige Herausforderungen zu meistern. Gleich zweimal wurden 50Hertz-Leitungen durch Stürme schwer beschädigt. Aufgrund des umsichtigen und schnellen Einsatzes der Teams konnten Versorgungsausfälle in beiden Fällen vermieden werden. Das Jahr 2015 hat 50Hertz außerdem einen Einspeiserekord erneuerbarer volatiler Energien gebracht. Am 1. April lag die maximale Einspeisung aus Windkraft- und Photovoltaikanlagen bei insgesamt 13.527 Megawatt. Mit einem solchen Wert hätte noch vor wenigen Jahren niemand gerechnet. Die Kosten für das Engpassmanagement sind im Jahr 2015 wieder deutlich angestiegen. Es macht mich sehr stolz, dass es unserer Systemführung gelungen ist, mit einer solch hohen Einspeisung Erneuerbarer und den neuen Infrastrukturen sicher umzugehen. Das ist eine hervorragende Leistung. In den vergangenen Monaten konnten wir außerdem durch internationale Erfahrungsaustausche einen kleinen Beitrag auf dem Weg hin zu einer internationalen Energiewende leisten. Auch an diese Gespräche und den Austausch mit internationalen Partnern erinnere ich mich gerne zurück. Ich freue mich schon heute auf die nächsten Stufen der Energiewende und bin gespannt darauf, was wir alles in den kommenden Jahren dazulernen werden.