Dr. Dirk Biermann
Geschäftsführer Märkte und
Systembetrieb (CMO) bei 50Hertz

Für ein stabiles Netz

sorgen

VORREITER BEI DER INTEGRATION ERNEUERBARER ENERGIEN

Mit einer Gesamtleistung von 26.975 Megawatt (MW) stehen in der Regelzone von 50Hertz mehr Anlagen zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien als Kraftwerke konventioneller Art. Windkraft-, Photovoltaik und Biomasse-Anlagen erzeugen schon heute über 49 Prozent des zwischen Ostsee und Thüringer Wald verbrauchten Stroms. Die installierte Windenergieleistung betrug im Dezember 2015 16.107 MW, die sich auf 15.771 MW installierte Windenergieleistung onshore und 336 MW offshore aufteilen. Damit verfügt das 50Hertz-Netzgebiet über rund 38 Prozent der installierten Windkraftleistung in ganz Deutschland. Allein im Jahr 2015 betrug der Zubau in diesem Bereich 1.310 MW bzw. rund 8,9 Prozent. Die installierte Photovoltaik- Leistung stieg um rund 5,2 Prozent auf 8.828 MW.

SYSTEMTEST SONNENFINSTERNIS BESTANDEN

Der Tag, an dem sich der Mond tagsüber vor die Sonne schob, war eine besondere Herausforderung für die 50Hertz-Systemführung. Als er die Sonne wieder freigab, erfolgte innerhalb von 70 Minuten ein Anstieg der Sonnenstromerzeugung in Deutschland um rund 14 Gigawatt. So schnell stieg die Erzeugung bislang noch nie. Dank neuer Prozesse in der Systemführung und neuer Produkte, mit denen Marktteilnehmer kurz vor Echtzeit in kurzen Zeitscheiben Stromprodukte kaufen und verkaufen können, waren das Gleichgewicht im Netz und die Systemstabilität zu keiner Zeit gefährdet. Der Tag war ein Stresstest für das ganze System, hat aber gezeigt, wie gut 50Hertz bereits heute mit der Einspeisung Erneuerbarer umgehen kann.

RUND UM DIE UHR DIE SYSTEMSTABILITÄT GEWÄHRLEISTEN

Es ist Kernaufgabe von 50Hertz, rund um die Uhr für Systemstabilität im Übertragungsnetz zu sorgen. Weil der im Norden und Osten Deutschlands erzeugte Strom in den Regionen nur teilweise verbraucht und noch nicht im erforderlichen Umfang in den Süden und Westen abtransportiert werden kann, muss der Übertragungsnetzbetreiber immer häufiger in den Systembetrieb eingreifen, um das Stromnetz stabil zu halten. Bei sehr hoher Einspeisung regenerativ erzeugten Stroms ergreift der Übertragungsnetzbetreiber Maßnahmen, die kritische Netzelemente entlasten. Reichen Schaltmaßnahmen im Netz nicht aus, erfolgen marktbezogene Maßnahmen, wie das sogenannte Redispatch. Dabei wird in den konventionellen Kraftwerkseinsatz eingegriffen. 2015 ergab sich für 50Hertz eine Redispatchmenge von 8.919 Gigawattstunden. Genügen Markteingriffe zur Engpassbeseitigung nicht, werden zusätzlich die Produktion aus Anlagen, die Strom aus Erneuerbaren einspeisen, sowie die Erzeugung aus Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen reduziert. Im vergangenen Jahr war dies in der Höhe von 1.337 GWh notwendig. Das sind 1.069 GWh mehr als im Jahr 2014.

STROM KENNT KEINE GRENZEN

Um grenzüberschreitende Lastflüsse koordinieren zu können, bereitet 50Hertz in Abstimmung mit den Übertragungsnetzbetreibern der östlichen Nachbarländer seit mehreren Jahren die Einführung von Querreglern bzw. Phasenschiebertransformatoren vor. In diesem Rahmen wurden mit dem tschechischen Übertragungsnetzbetreiber im März 2015 die Grundregeln für die Koordinierung des Betriebs der auf beiden Seiten der Grenze zu errichtenden Phasenschiebertransformatoren vereinbart.

GEMEINSAM DEN STROMMARKT UND DIE SYSTEMFÜHRUNG WEITERENTWICKELN

Die EU gibt das Ziel vor: Die Schaffung eines diskriminierungsfreien europäischen Energiebinnenmarktes. Dazu hat 50Hertz Vorschläge für die Weiterentwicklung eines liquiden Strommarktes eingebracht und beteiligt sich an verschiedenen regionalen Initiativen. Eine davon ist die Multiregionale Marktkopplung (MRC), deren Fokus auf der europaweiten Einführung einer preisbasierten Marktkopplung für den vortäglichen Stromhandel liegt. Das MRC-Gebiet umfasst 19 Länder, die rund 85 Prozent des europäischen Stromverbrauchs auf sich vereinen. In Westeuropa wurde im Mai 2015 erfolgreich eine weiterentwickelte sogenannte lastflussbasierte Marktkopplung eingeführt. 50Hertz setzt sich für die vollständige Integration des eigenen Netzes in die lastflussbasierte Kapazitätsberechnung ein. In der mittel- und osteuropäischen Region arbeitet der Übertragungsnetzbetreiber mit den östlichen Nachbarnetzen und Strombörsen ebenfalls an der Entwicklung und Implementierung einer lastflussbasierten Marktkopplung und treibt die Entwicklung einer zentral-westeuropäischen sowie mittel- und osteuropäischen Kapazitätsberechnungsregion voran.

WindNODE

Im Rahmen des Projekts WindNODE entwickelt 50Hertz zusammen mit 70 Partnern Konzepte für ein „Internet der Energie“. Dabei soll u. a. eine digitale Plattform entwickelt werden, die dazu dient, Stromerzeugung und -verbrauch noch besser in Einklang zu bringen. Stromkunden und Kleinerzeuger erhalten Instrumente und Informationen, mit denen sie aktiv an der Stabilisierung des Systems mitwirken und so die Energiewende mitgestalten. WindNODE ist eines der vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) geförderten Beispielprojekte des Programms „Schaufenster intelligente Energie – Digitale Agenda für die Energiewende“ (SINTEG).